Die 12 Prinzipien der Neurodidaktik – Teil 3 (von 3)

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Last, but not least, gibt es heute die letzten 3 Prinzipien der Reihe „Die 12 Prinzipien der Neurodidaktik“ nach Renata N. Caine für dich, über die ich dir hier (erste 6 Prinzipien) und hier (Prinzip 7-9) bereits berichtet habe.

Kommen wir nun also zu den letzten 3 Prinzipien:

10. Lernen ist entwicklungsabhängig

Bei Kindern desselben Alters werden oft stark auseinanderliegende Entwicklungsgrade festgestellt, was wir in der Regel als komplett normal erachten. Bis zum Erwachsenenalter haben sich Entwicklungsunterschiede normalerweise angeglichen, die Gehirnentwicklung ist abgeschlossen und in Seminaren gehen wir davon aus, dass unsere TeilnehmerInnen alle gleichermaßen „erwachsen“ sind.

Dennoch unterscheiden sich unsere TeilnehmerInnen allerdings nicht nur nach Wachheitsgrad, Motivation und gegenwärtigem gesundheitlichen Zustand, sondern auch auf einer viel tieferen Ebene nach Wissen, Erfahrung, Bedürfnissen, Persönlichkeiten und eben Reifegraden.

Jeder von uns hat unterschiedliche Lebenserfahrungen gesammelt, die ihn/sie in die eine oder andere Richtung beeinflusst und geprägt haben. Eine Prägung, die uns in weiterer Folge zu der Person gemacht hat, die wir heute sind und die uns auf eine ganz bestimmte Art und Weise handeln lässt und aufnahmefähig macht.

Es kann also für Seminare hilfreich sein, solcherlei implizite Modelle über die Bewusstseinsschwelle zu heben und so Verständnis für die „unterschiedlichen Landkarten“ der einzelnen TeilnehmerInnen zu schaffen.

Dies kann man z.B. schon zu Beginn tun, mit sogenannten „Openers“, die dazu dienen, die anderen etwas besser kennen zu lernen und dabei Ähnlichkeiten bzw. Verschiedenheiten zu erleben. Du kannst z.B. gleich zu Beginn die positiven Erfahrungen zu einem Thema abholen und in Gruppen austauschen und dazu Bilder zeichnen lassen (nachstehende – doch sehr unterschiedliche – Bilder entstanden übrigens in einer einzigen Trainingsgruppe):

Positive Erfahrungen mit Energizern

Positive Erfahrungen mit interaktiven Methoden, wie z.B. Brainwalking

Positive Erfahrungen mit interaktiven Großgruppen-Methoden, wie z.B. dem World Café

Ein weiteres Bild zu positiven Erfahrungen mit interaktiven Methoden

 

Eine weitere feine Einstiegsmethode – die Aufstellung bzw. Soziometrie – stelle ich dir im Detail außerdem hier vor!). Dies adressiert auch gleichzeitig Prinzip 11. Du stellst dabei sorgfältig ausgewählte Fragen (z.B. auch nach Background, Erfahrung/Wissen zum Seminarthema) an die Teilnehmerinnen, die sich dann im Raum positionieren.

Aufstellung / Soziometrie

 

11. Komplexes Lernen wird durch Herausforderung gefördert sowie durch Angst und Bedrohung verhindert

Während eine motivierende, herausfordernde Lernumgebung Lernerfolge fördert, sind Gefühlszustände wie Stress, Angst und/oder Wut Gift für den Lernerfolg. In Trainings (und ebenfalls in Workshops) ist es also hilfreich, einen stresskompensierten Rahmen zu schaffen und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen TrainerIn/ModeratorIn und TeilnehmerInnen, ebenso wie zwischen den TeilnehmerInnen aufzubauen.

Dies kannst du am leichtesten durch eine intensive Phase des Kennenlernens zu Beginn erreichen (nimm dir dafür ausreichend Zeit! Hilfreiche Methoden für den Einstieg – so genannte Opener findest du auch in meinem Buch „Blühende Workshops und Trainings mit Erfolgsgarantie“. ) Außerdem kannst du Entspannungsübungen, achtsamkeitsbasierte Formate und Bewegungselemente einbauen, die ebenfalls zur Auflockerung und Stressreduktion beitragen.

Jeglichen Stress für deine SeminarteilnehmerInnen zu vermeiden ist übrigens umgekehrt auch keine Lösung – denn ein moderates Maß an Stress kann nachgewiesenermaßen sogar die Entstehung neuer Nervenzellen im Gehirn fördern. Wie bei allen chemischen Prozessen entscheidet hier aber natürlich die Dosis über die fördernde oder toxische Wirkung.

Idealerweise erzeugen wir bei den Teilnehmerinnen einen Flow, also die Balance zwischen Unter- und Überforderung.

FLOW: Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi gilt als Schöpfer der Flow-Theorie.

 

Bei gemischten Gruppen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund und wo passend, ersuche ich Teilnehmerinnen mit großem Vorwissen bzw. viel Erfahrung eine gewisse Sequenz zu unterrichten, damit sie genügend gefordert sind. Dies habe ich auch schon beim Prinzip 4 – „Sinnsuche geschieht durch die Bildung von neuronalen Mustern“ und Prinzip 5 – „Emotionen sind wichtig für die Musterbildung“ beschrieben.

Dieses Prinzip habe ich u.a. letzte Woche beim Advanced Train-the-Trainer Seminar mit einer internationalen Gruppe in Kopenhagen eingesetzt, das ich gemeinsam mit der Trainerin Melanie Büscher für die NCP-Academy durchführen durfte. Nachstehend ein paar Impressionen davon:

Teilnehmerinnen als Trainerinnen
des Themas „Rangdynamik“

Teilnehmerinnen als Trainerinnen des
neurodidaktischen Prinzips „Sinnhaftigkeit“

Teilnehmerinnen als Trainerinnen des
neurodidaktischen Prinzips „Focus/Vigilance“

Sogar Mini-Pokale gab es zu gewinnen!
(mitgebracht von
den Teilnehmerinnen)

Teilnehmerinnen als Trainerinnen des
neurodidaktischen Prinzips „Kombiniere
alte mit neuer Information“

Teilnehmerinnen als Trainerinnen
des neurodidaktischen Prinzips
„Wiederholung ist wichtig!“

 

12. Jedes Gehirn ist einzigartig

Jede Aufgabe, die die eigene Geschichte miteinbezieht, individuelle Stärken und Kompetenzen anspricht und so die Identitätsebene deiner TeilnehmerInnen anspricht, erreicht diese auf einem ganz anderen Level als generalisierte Ansätze.

Sorge dafür, dass die Seminarübungen und -Inhalte reflektiert werden, vor allem dahingehend, wie sie in den (Arbeits)alltag der Individuen einfließen können. Das kann eine Reflexion in Kleingruppen oder Tandems („Lernpartnerschaften“ sein, oder auch eine kurze individuelle Reflexion, die idealerweise auch visualisiert wird.

Bei meinen Projektmanagement-Trainings arbeiten die TeilnehmerInnen immer wieder an ihren ganz konkreten eigenen Projekten, um die Theorie sofort in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Bei meinen Train-the-Trainer bzw. Moderationstrainings werden konkrete Trainings bzw. Workshops designed. Die Teilnehmerinnen gehen mit einem groben Design nach Hause, das dann noch zu verfeinern ist, aber sofort umgesetzt werden kann.

Vorschläge für Trainings- bzw. Workshopdesigns, die individuell oder in Gruppen erarbeitet werden.

 

Ein eigenes Kapitel zum Thema Neurodidaktik findest du, wie auch in den letzten Blogartikeln bereits erwähnt, auch in meinem Buch “Blühende Workshops und Trainings mit Erfolgsgarantie”, das es nun auch auf Englisch gibt! Wer NOCH mehr darüber wissen möchte, sei auf das Buch “Neurodidaktik für Trainer: Trainermethoden effektiver gestalten nach den neuesten Erkenntnissen der Gehirnforschung” verwiesen.

Das war es nun mit den insgesamt 12 Prinzipien der Neurodidaktik! Ich hoffe, du fandest diese Reihe spannend und interessant! Lass uns hier wissen, welche der 12 neurodidaktischen Prinzipien du anwendest und welche Methoden du verwendest.

Bis bald wieder, deine Birgit

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