Resilienz – Gelassenheit in Alltag und Beruf

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Neulich habe ich mal wieder einen spannenden Artikel im Gehirn & Geist Magazin entdeckt, der meiner Einschätzung nach ein schönes Thema für den Jahresabschluss beinhaltet. Der Titel lautete: „Resilienz: Was die Psyche wachsen lässt“. Den Artikel bzw. die ganze Ausgabe (11/2017) kannst du hier um 5,99 EUR downloaden.

Im Artikel wird erklärt, was Resilienz ist, wie sich diese trainieren lässt und warum manche Menschen mit einer stärker ausgeprägten Resilienz auf die Welt kommen, als andere.

Ich habe mich nun aber entschieden, bei diesem spannenden Thema diesmal jemand anderes zu Wort kommen zu lassen – nämlich die von mir hochgeschätzte Gesundheitsexpertin und Psychologin Brigitte Hettenkofer, die dir im kommenden Gastbeitrag näherbringen wird, warum es sich lohnt, sich mit dem Thema Resilienz zu beschäftigen.

Zum Jahresabschluss wünsche ich uns allen ein wenig mehr Resilienz gegenüber den Sorgen und Herausforderungen des Alltags, viel Freude und Glückseligkeit und ein besinnliches Fest im Kreise unserer Lieben! Birgit

 

Gastbeitrag von Brigitte Hettenkofer:

 

 

Es lohnt sich resilient zu sein – zu werden

Neulich hat mich das Leben wieder mal getestet: Wie resilient bin ich selbst? Komme ich mit einer schwierigen Situation klar?

Gut gelaunt kaufe ich im Tegut ein, mein Lieblings-Supermarkt. Ich fahre mit meinem Einkaufswagen beherzt zu den Kühlregalen. Eine Kühlregaltür steht offen. Rechts daneben befindet sich ein Wagen mit neuer Ware, die nur darauf wartet ins Kühlregal eingeräumt zu werden. Ich denke, da passe ich locker durch und mit Schmackes befördere ich meinen Einkaufswagen zwischen die beiden Hindernisse hindurch. Da passiert es! Die Kühlregaltür bewegt sich in die falsche Richtung und schwupps ist das Glas in tausend Teile zersplittert. Zum Glück haben sich die Glassplitter nicht über den Boden verteilt. Die anderen Einkäufer um mich herum betrachten mein Werk und ich auch! Es ist ganz eindeutig, das war ich. Im nächsten Schritt hole ich einen Mitarbeiter von Tegut und der wiederum den Marktleiter. Ich hinterlasse meine Kontaktdaten und wir vereinbaren, er wird sich melden, wenn die Rechnung für das Malheur auf meine Kosten geht.

Erst als ich wieder an der frischen Luft bin, bemerke ich, dass ich die ganze Zeit ruhig und gelassen geblieben bin. Das überrascht mich, denn so kenne ich mich nicht. Normalerweise schnellt mein Puls in die Höhe, mein Gesicht färbt sich rot, innerlich kommt Scham hoch und schließlich entschuldige ich mich mehrmals. Ich habe was kaputt gemacht – mein Fehler. Na ja, vielleicht übertreibe ich jetzt ein wenig. Aber in diese Richtung wäre es gegangen.

Nach diesem Vorfall freue ich mich, dass ich so gelassen bleiben konnte und das Notwendige in aller Ruhe geklärt habe. Mit diesem Gefühl trage ich meinen Einkauf nachhause.

Gelassen bleiben – mit sich selbst und mit den Mitmenschen – gelassen bleiben trotz kleiner oder großen Hürden, das wünschen sich viele Menschen. Von meinen Kunden bekomme ich ganz oft diesen Wunsch zu hören. Es klingt fast so als wäre Gelassenheit eine Zauberkraft.

 

Was hat Gelassenheit mit Resilienz zu tun?

Sehr viel. Gelingt es bei einem Berg Aufgaben gelassen zu bleiben, dann haben wir mehr Energie diese tatsächlich zu erledigen. Der Zugang zu unserem Lösungsareal im Gehirn ist frei und nicht mit sorgenvollen Gedanken blockiert. Das ist nur ein Beispiel dafür, was Gelassenheit bewirken kann. Resiliente Menschen bringt eben nichts so schnell aus der Ruhe. Sie gehen nicht in die Luft, wie das HB-Männchen in der Werbung, die vor vielen Jahren häufig lief.

 

Resilienz – was ist das genau?

Der Begriff kommt aus der Physik. Übertragen auf den Menschen ist psychische Widerstandsfähigkeit oder psychisches Immunsystem gemeint.Mir fällt dazu das Experiment mit dem Stuhl bei Ikea ein. Dort drückt eineMaschine immer wieder mit viel Kraft auf einen Sessel und der Stuhl kehrt anschließend in seine ursprüngliche Form zurück. Haben Sie bestimmt schon mal gesehen.

Für uns Menschen heißt das, eine Krise haut uns nicht um, sondern nach einer gewissen Bewältigungsphase gehen wir sogar gestärkt aus der Krise hervor.Wir fallen hin und stehen wieder auf.

Diese Kompetenz war schon immer wichtig und wird in der Zukunft sogar noch wichtiger werden. Gerade die moderne VUCA[1]-Welt verlangt uns Menschen einiges ab.

 

Die gute Nachricht: Resilienz lässt sich trainieren

Resilienz ist kein Geschenk des Himmels oder in die Wiege gelegt. Resilienz kann trainiert werden. Der Resilienz Quotient (=RQ) kann gesteigert werden – auch Sie können das.

Lange Zeit dachten die ExpertInnen, Resilienz ist eine relative feste Persönlichkeitseigenschaft. Heute weiß die Forschung mehr: Resilientes Verhalten, wie z.B. eine gute Impulskontrolle, Eigenverantwortung oder gesunde Stressbewältigung kann jeder lernen – trainieren.

 

Was gehört alles zu Resilienz

Resilienz ist so eine Art Meta-Kompetenz und beinhaltet mehrere Fähigkeiten. Bei den Experten finden Sie unterschiedliche Bezeichnungen und mal sind es 7 oder es können auch 12 an der Zahl sein. Im Grunde ist immer Ähnliches gemeint: Welche Eigenschaften lassen uns psychisch widerstandsfähig sein oder werden?

Hier finden Sie mein Modell:

Die Basis für die Resilienz-Qualitäten ist aus meiner Sicht Achtsamkeit. Das heißt, wir müssen mitkriegen:

  • Was passiert gerade in mir?
  • Welche Gefühle/Impulse spüre ich gerade?
  • Was geht gerade in meinem Körper vor sich?

Aus dieser Basis können die verschiedenen Resilienz-Fähigkeiten entwickelt werden.

Stellen Sie sich eine Kommode mit mehreren Schubladen. In jeder Schublade finden Sie eine andere Resilienz-Qualität.

Tipp: Sie sollten nicht jede Schublade bearbeiten. Da wird es Schubladen geben, die sind schon gut befüllt und dann gibt es andere, die sind leerer. Genau da gilt es anzupacken.

Wenn Sie jetzt wissen wollen, an welcher Schublade Sie arbeiten sollen, dann lade ich Sie zu dieser kleinen Selbsteinschätzungsübung ein, siehe Arbeitsblatt.

Ich wünsche Ihnen große Portion Resilienz und Mut dranzubleiben. Es lohnt sich!

Ihre Brigitte Hettenkofer, Institut für Neuroresilienz

 

PS: Der Marktleiter hat mich übrigens nie angerufen. Die Glastür war nach einigen Wochen repariert und den Marktleiter kenne ich jetzt persönlich – ein angenehmer Mensch.

 

[1] VUCA ist ein Akronym (Kunstwort) und steht für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity.

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